Intelligente Energielösungen in Westeuropa: Ein Leitfaden für OEMs und Installateure
Europas Bestrebungen nach Dekarbonisierung und Energieunabhängigkeit haben Solarmodule, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge (EVs) ins Zentrum der gerückt. Länder in ganz Westeuropa haben sich ambitionierte Ziele gesetzt: So sieht Der REPowerEU-Plan der EU bis 2027 zehn Millionen neue Wärmepumpen und bis 2030 50 bis 60 Millionen installierte Geräte vor, begleitet von einem massiven Ausbau der Solarkapazitäten. Allein Deutschland strebt bis 2030 rund 215 GW Photovoltaik-Leistung an, etwa die Hälfte davon auf Dächern.
.png)
Gleichzeitig beschleunigt sich der Ausbau der E-Mobilität – bis 2030 könnten bis zu 50 Millionen Elektroautos auf Europas Straßen unterwegs sein – was den Strombedarf privater Haushalte grundlegend verändert. Diese Trends führen dazu, dass Hausbesitzer:innen zunehmend in saubere Energietechnologien investieren, um Energiekosten zu senken und ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren – insbesondere nach den jüngsten Energiepreisspitzen und Versorgungskrisen.Für OEMs und Installateure eröffnet dieser Wandel enorme Chancen. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf Neuinstallationen, sondern zunehmend auch auf der Nachrüstung bzw. „Smartifizierung“ von Gebäuden, die bereits über Energieanlagen verfügen, durch intelligente Energielösungen.
Tatsächlich verfügen bereits Millionen europäischer Haushalte über PV-Anlagen, Batteriesysteme, Ladestationen oder Wärmepumpen, doch die meisten arbeiten isoliert. Eine aktuelle Studie zeigt: In europäischen Haushalten sind über 63 Millionen dezentrale Energiegeräte installiert, doch 70–85 % davon sind „analog“, also nicht digital vernetzt oder optimiert.
Die Aufrüstung dieser Anlagen mit smarten Steuerungen und Integrationen kann erheblichen Mehrwert für Haushalte und Stromnetze freisetzen. Es wird geschätzt, dass allein in vier Ländern (Deutschland, Großbritannien, Niederlande und Spanien) rund 15 Millionen Haushalte ideale Kandidaten für eine Nachrüstung mit modernen Energiesystemen sind. Durch die Umwandlung bestehender Setups in intelligente, maßgeschneiderte Energielösungen, die nahtlos zusammenarbeiten, können OEMs und Installateure diesen schnell wachsenden Markt erschließen und die Energiewende in Europa beschleunigen.
Wie Solarlösungen Haushalte befähigen
Solarenergie ist zu einem zentralen Bestandteil der häuslichen Energieversorgung in Westeuropa geworden, wobei der Grad der Verbreitung je nach Land variiert.
Niederlande: Was kommt nach dem Net Metering?
Mit 34,2% der Haushalte, die mit Dachanlagen ausgestattet sind, haben die Niederlande den höchsten Anteil an privater Photovoltaik, getrieben durch großzügiges Net Metering (salderingsregeling) und attraktive Subsidien. Doch dieses Modell endet: Bis 2027 wird das Net Metering vollständig abgeschafft, wodurch sich der finanzielle Wert der Netzeinspeisung deutlich reduziert.Niederländische Hausbesitzer:innen werden nicht mehr von der 1:1-Gutschrift profitieren und müssen ihren Solarstrom zunehmend direkt selbst verbrauchen, um hohe Renditen zu erzielen.
Diese Veränderung löst bereits eine steigende Nachfrage nach Batterien und Home-Energy-Management-Systemen (HEMS) aus, die den Eigenverbrauch priorisieren können. Für OEMs und Installateure ist die Retrofit-Chance beträchtlich: Über 4 Millionen niederländische Haushalte mit Photovoltaik sind potenzielle Kandidaten für Energie-Management-Upgrades.

Deutschland: Das Ende der Ära fester Einspeisevergütungen
Auch Deutschland steht vor einem ähnlichen Wandel. Nach zwei Jahrzehnten fester Einspeisevergütungen werden Millionen von Pionieren bald ihre garantierten Zahlungen verlieren. Bis 2032 werden über eine Million Anlagen aus ihren 20-jährigen Einspeiseverträgen fallen. Wenn diese Verträge auslaufen, müssen auch deutsche Photovoltaik-Besitzer:innen den Fokus darauf legen, die Eigennutzung zu maximieren, anstatt Überschüsse zu sinkenden Tarifen zu exportieren.
Deutschland installiert weiterhin Solarstrom in Rekordtempo (~17 GW im Jahr 2024), wobei etwa 9 bis 10 % der Haushalte mittlerweile mit einer PV-Anlage ausgestattet sind. Um ihre Investitionsrendite zu maximieren, setzen diese Haushalte zunehmend auf Energiespeicher, smarte Wechselrichter und ein HEMS, um Erzeugung, Speicherung und Bedarf zu steuern. Dieser Retrofit-Markt ist enorm: Altsysteme ohne digitale Steuerung benötigen jetzt Upgrades, um zukunftsfähig zu bleiben. Energieakteure, die Retrofits aus Batterie und HEMS für bestehende Solarnutzer:innen anbieten, werden bestens positioniert sein, um diese Nachfrage zu bedienen.
Großbritannien: Aufholjagd zum Nachbarn
In der Zwischenzeit ist der Wachstumskurs in Großbritannien jüngeren Datums, aber nicht weniger relevant. Etwa 1,6 Millionen Haushalte verfügen heute über Solarstrom (rund 5,6 % der Haushalte), was mehr als doppelt so viele sind wie im Jahr 2020. Zwar endeten Einspeisetarife vor Jahren, doch die Smart Export Guarantee und hohe Strompreise halten die Nachfrage hoch. Viele Haushalte zeigen großes Interesse an Batteriespeichern und suchen nach besseren Möglichkeiten, ihre Energieflüsse zu steuern.
Allen drei Ländern gemeinsam ist eine klare Entwicklung: Solar ist kein Stand-alone-Produkt mehr, sondern Teil eines flexiblen, optimierten Energiesystems. Ohne Net Metering oder langfristige Vergütungen bietet ungemanagte PV nur begrenzten Mehrwert. Mit HEMS und smarter Integration können Haushalte Solarstrom speichern, zeitlich verschieben und je nach Preis- oder Lastsignalen priorisieren. Diese Entwicklung löst eine Retrofit-Welle aus, bei der OEMs und Installateure Software, Speicher oder Energiemanagement zu bestehenden PV-Systemen hinzufügen – für intelligentere Häuser und wiederkehrenden Mehrwert.
Wie Wärmepumpen die Effizienz im Haus steigern
In der Praxis kann eine moderne Wärmepumpe 80% kohlenstoffeffizienter sein als ein Gaskessel und die Heizkosten um einige hundert Euro pro Jahr senken. Westeuropäische Länder setzen Wärmepumpen in unterschiedlichem Tempo ein, aber der Trend geht aufgrund der Dekarbonisierungspolitik und des Interesses der Verbraucher:innen an grünerem Wohnen eindeutig nach oben. Das allein ist eine gute Nachricht für OEMs und Installateure. Doch eine Wärmepumpe als Stand-alone-Produkt zu verkaufen, gehört bereits der Vergangenheit an.

Wie Wärmepumpen die Effizienz im Haus steigern
Niederlande: waermepumpen bereit zur integration
In den Niederlanden sind Wärmepumpen bereits Mainstream. In Neubauten ist Gas seit Jahren verboten, und die nächste Wachstumsphase sind eindeutig Nachrüstungen, bei denen Millionen bestehender Häuser noch auf Gas setzen, aber zunehmend PV-Anlagen auf dem Dach haben oder planen.
Die Logik dahinter ist simpel: Die Kombination einer Wärmepumpe mit Photovoltaik und einem HEMS ist der sinnvollste Retrofit-Schritt, den Hausbesitzer:innen machen können. Elektrisches Heizen liefert nur dann echte Einsparungen, wenn es mit der Eigenerzeugung, den Strompreisen und der Haushaltslast koordiniert wird.
Ohne diese Koordination laufen Wärmepumpen zur falschen Zeit, belasten das Netz und enttäuschen die Erwartungen der Verbraucher:innen.
Deutschland: Wärmepumpe mit PV ist ein Trend
Deutschland befindet sich inmitten der Wärmewende. Wärmepumpen gelten als Schlüssel zum Ersatz von Millionen Öl- und Gasheizungen. Die Verkaufszahlen sind steil gestiegen: 2023 wurden über 350.000 Wärmepumpen verkauft – ein Rekordjahr. Trotz politischer Unsicherheiten blieb der Trend stabil.
Bis zur ersten Jahreshälfte 2025 machten Wärmepumpen fast 47 % der Verkäufe neuer Heizungssysteme in Deutschland aus und überholten damit die Gaskessel (44,7 %). Staatliche Anreize decken für bestimmte Hausbesitzer:innen bis zu 40 - 50 % der Installationskosten ab, und das Land hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 etwa 6 Millionen Wärmepumpen zu installieren. Derzeit verfügen etwa 2 - 3 % der deutschen Haushalte über eine Wärmepumpe, was auf ein gewaltiges Wachstumspotenzial hindeutet.
Besonders die Integration von Wärmepumpen mit PV-Anlagen ist ein wachsender Trend. Dabei wird der Solarstrom am Tag genutzt, um die Wärmepumpe zu betreiben oder einen Pufferspeicher zu laden, was den Anteil erneuerbarer Energien erhöht und die Betriebskosten senkt.
Großbritannien: Anzeichen von fortschritt
Großbritannien hinkt hinterher, zeigt aber Beschleunigung. 2025 werden nur rund 1 % der Haushalte mit Wärmepumpen beheizt. Insgesamt sind etwa 250.000–300.000 installiert. 2024 wurden 98.469 Geräte verkauft – ein Plus von 63 % gegenüber 2023. Förderungen wie das Boiler Upgrade Scheme (bis zu £7.500) helfen, doch der Abstand zu Ländern wie Frankreich oder Italien bleibt groß.
Die Regierung strebt 600.000 Installationen pro Jahr bis 2028 an; das Climate Change Committee empfiehlt 10 % der Haushalte mit Wärmepumpen bis 2030. Für OEMs und Installateure bedeutet das ein enormes Wachstumspotenzial – vorausgesetzt, Hürden wie Kosten, Fachkräftemangel und Aufklärung werden überwunden. Retrofit-Projekte im alten Gebäudebestand erfordern maßgeschneiderte Lösungen: Dämmungsbewertung, richtige Dimensionierung, ggf. Hybridlösungen und Nutzeraufklärung.
Wie EV-Integration die Heimenergie neu definiert
Elektrofahrzeuge werden in Westeuropa alltäglich und ihre Integration ist ein Gamechanger. EV-Laden ist eine große neue Last, aber auch ein flexibler Speicher, wenn es intelligent gesteuert wird.

Aktuelle EV-Landschaft in Westeuropa
In den Niederlanden lag der Anteil vollelektrischer Neuzulassungen 2025 bei über 34% – Spitzenwert in Westeuropa. In einzelnen Monaten sogar bei 40 %. Deutschland erreichte rund 20 % BEV-Anteil; nach einem Förderstopp erholten sich die Verkäufe 2025 mit fast 50 % Wachstum. Großbritannien lag bei 16 - 18 % BEV-Anteil; mit Plug-in-Hybriden machen E-Fahrzeuge über 20 % der Neuzulassungen aus. Seit 2022 müssen Neubauten in UK Ladepunkte vorsehen.
Herausforderungen und Chancen der EV-Integration
Ein EV-Ladepunkt zieht 7 kW oder mehr – bei unkoordiniertem Laden drohen Netzüberlastungen. Deshalb werden Smart-Charging-Vorgaben eingeführt. In UK müssen neue Ladepunkte smart sein; in Deutschland fördern Regelungen wie §9 EEG die Steuerbarkeit.
Die Chance: EV-Batterien (40–100 kWh) übertreffen stationäre Heimspeicher deutlich. Mit intelligenter Integration kann das Fahrzeug bei hoher Solarproduktion oder günstigen Tarifen laden – perspektivisch sogar das Haus versorgen (V2H) oder Energie ins Netz zurückspeisen (V2G).
Für OEMs und Installateure bedeutet das ganzheitliche Lösungen: PV plus Wallbox plus HEMS. Intelligentes Laden bietet Komfort und Einsparungen – z. B. automatisches Laden nachts bei Niedrigtarifen oder Pausieren bei Lastspitzen. Maßgeschneiderte Setups sind entscheidend, ebenso Beratung zu Netzanschlüssen und geeigneten Ladegeräten.
Experteneinblick in die Zukunft intelligenter Energielösungen

Da PV-Anlagen, Wärmepumpen, Batterien und Ladestationen zunehmend koexistieren, ist die Integration die Basis für alles. Das HEMS fungiert als Intelligenzebene, die koordiniert, wann jedes Asset Energie verbraucht, produziert oder speichert.
Die Nachrüstung von HEMS in bestehende Häuser ist die nächste große Aufgabe. Etwa 70 - 85 % der in Westeuropa installierten Anlagen sind nicht mit einem Energiemanagementsystem verbunden. Allein in Deutschland gibt es über 5 Millionen Haushalte, die bereit für solche Retrofits sind. Wenn das Net Metering endet und Einspeisevergütungen auslaufen, wird die smarte Steuerung unerlässlich, um Ersparnisse zu sichern.
Wie Fabian Wolf, Customer Success Manager bei gridX, Europas führendes Smart-Energy-Unternehmen, es ausdrückt: „Um echten Mehrwert aus Solarstrom, Wärmepumpen und EVs zu ziehen, müssen sie als ein System agieren. Das HEMS ist das, was intelligente Plug-and-Play-Energie erst möglich macht.“
Über Einsparungen hinaus ermöglicht Integration neue Services wie virtuelle Kraftwerke, Flexibilitätsvermarktung und Echtzeitoptimierung. Für Kund:innen bedeutet das niedrigere Kosten und einfache Bedienung. Für OEMs und Installateure eröffnet es langfristige Kund:innenbeziehungen, Zusatzumsätze und netzdienliche Geschäftsmodelle.
Die Technologie ist da. Die Nachfrage ist real. Jetzt zählt die Umsetzung. Wer maßgeschneiderte, intelligente Energielösungen liefert, wird Europas retrofit-getriebene Energiewende anführen.
