Das Ende von „installieren und vergessen“
Jahrelang folgte die private Solarenergie in den Niederlanden einer einfachen Logik: Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) installieren, überschüssigen Strom ins Netz einspeisen und von der Net-Metering-Regelung in Form von nahezu null Energiekosten profitieren. Mit dem Auslaufen der Net-Metering-Regelung ab 2027 geht diese Vergünstigungsphase jedoch zu Ende. Niederländische PV-Besitzer:innen verlagern ihren Fokus nun auf Eigenverbrauch und intelligente Speicherung, um sich weiteren Mehrwert und Einsparungen zu sichern. Passive Erzeugung allein reicht nicht mehr aus. Fast vier Millionen niederländische Haushalte verfügen bereits über mindestens eine dezentrale Energieressource (DER). Da die unkontrollierbare Einspeisung von Photovoltaik (PV) das Stromnetz jedoch weiter strapaziert, wird das, was einst ein Vorteil war, nun zu einer Belastung.
Der Übergang weg vom Net Metering markiert das Ende der Ära der passiven Prosument:innen in den Niederlanden. Da die Einspeisung von Solarstrom weniger lukrativ wird und die Netzengpässe zunehmen, verlagert sich der Fokus auf Eigenverbrauch, intelligente, kostensparende Optimierung und Automatisierung. Für Haushalte dient ein Speicher als Instrument zur aktiven Optimierung, zur Steigerung des Eigenverbrauchs und zur Sicherstellung, dass Solarenergie auch in Zukunft eine wirtschaftlich sinnvolle Investition bleibt.
Den niederländischen Speicherboom jetzt nutzen

Die Verbreitung von PV und Speichern in den Niederlanden entwickelt sich hin zu einem dynamischen Energiemanagement für mehrere Anlagen. Etwa jeder dritte niederländische Haushalt besitzt bereits eine PV-Anlage auf dem Dach, was das Land zu einem der am weitesten entwickelten PV-Märkte in Europa macht. Da das Net Metering schrittweise abgeschafft wird und die Überschusserzeugung wächst, konzentrieren sich viele PV-Haushalte nun darauf, wie sie diesen Solarstrom durch Speicher und eine intelligente Steuerung der Funktion besser nutzen können.
Laut Umfragedaten von gridX planen 49 % der niederländischen PV-Besitzer:innen, innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Heimspeicher zu erwerben. Marktprognosen bestätigen diesen Trend: Gesamt gesehen soll die Kapazität von Heimspeichern in Privathaushalten von etwa 1,3 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2025 auf mehr als 14,6 GWh bis 2030 ansteigen – ein deutliches, 11-faches Wachstum in nur fünf Jahren.
„Wir beobachten einen Wandel, bei dem heimische Energieanlagen nicht mehr allein über ihre Kapazität definiert werden, sondern über ihre Fähigkeit, auf Marktsignale zu reagieren“, kommentiert Irene Guerra Gil, Energy Market Expert bei gridX. „Die Integration von Photovoltaik und Speicher in ein intelligentes Energiemanagementsystem, das auch externe Signale einbezieht, ermöglicht es Haushalten Preisvolatilität zu meistern und die Netzstabilität zu unterstützen.“
Die Installation von Hardware allein schafft nur begrenzt Wert und setzt Unternehmensmargen unter Druck. Da sich der niederländische Markt über den reinen Einsatz von Anlagen hinaus entwickelt, liegt die eigentliche Chance in der Optimierung vernetzter Energiesysteme, um den Ertrag pro Anlage im Laufe der Zeit zu steigern.
Die koordinierte Flexibilität von PV-Anlagen, Speichern und Elektroautos entscheidet darüber, ob Haushalte passive Verbraucher:innen bleiben oder aktiv auf Markt- und Netzsignale reagieren. Durch intelligente Koordination werden dezentrale Anlagen zu reaktionsfähigen Energieakteuren, die niedrigere Stromkosten und neue Einnahmequellen eröffnen.
Der Wettbewerbsvorteil liegt von nun an nicht mehr in der Anzahl der installierten Geräte, sondern in der Fähigkeit, diese intelligent zu steuern.
Prosumer:innen wollen Ersparnisse

Eine gridX-Umfrage unter 100 niederländischen Prosumer:innen zeigt eine praktische Veränderung im Verbraucher:innenverhalten hin zu ganzheitlichen, kosteneffizienten Lösungen.
Kostenreduzierung bleibt der Hauptgrund für den Kauf neuer Anlagen. 45 % der Befragten gaben an, dass Einsparungen der wichtigste Vorteil eines Energiemanagementsystems (EMS) sind. Darüber hinaus gaben 88 % der Prosumer:innen an, dass es wichtig ist, dass die neue Hardware nahtlos mit bestehenden Systemen zusammenarbeitet, was einen Markt widerspiegelt, der bereits mit verschiedenen Hardwaremarken gesättigt ist. Die meisten Verbraucher:innen bleiben vorsichtig: 35 % gaben an, dass sie nur dann nachrüsten, wenn finanzielle Einsparungen durch reale Daten eindeutig nachgewiesen werden können.
Anlagen in Einnahmequellen verwandeln
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Die wirtschaftliche Logik der Kombination von Solarenergie und Speicherung entwickelt sich von einer einfachen Rechnungsreduzierung zu einer komplexen Wertsteigerung. In den Niederlanden steigen die potenziellen Einnahmen für einen Haushalt erheblich, wenn eine ausgefeiltere Logik angewendet wird. Eine einfache Optimierung des Eigenverbrauchs führt zu Einsparungen von etwa 125 € pro Jahr, die sich jedoch auf 447 € pro Jahr erhöhen, wenn eine Optimierung der Nutzungszeiten und dynamische Tarife einbezogen werden.
Der deutlichste Sprung erfolgt durch explizite Flexibilität. Wenn mehrere HEMS-Anwendungsfälle miteinander kombiniert werden, darunter die Optimierung des Eigenverbrauchs, die dynamische Tarifoptimierung und die Teilnahme an Großhandelsmärkten durch Aggregation, kann der jährliche Wert am oberen Ende der Skala bis zu 1.750 € erreichen. Diese Zahl stellt ein Best-Case-Szenario dar, bei dem PV- und Speicheranlagen über mehrere Marktebenen hinweg aktiv verwaltet werden, und ist keine Basisprognose. Erste Anwendungen in den Niederlanden testen diesen Ansatz bereits in großem Maßstab.
Versorgungsunternehmen wie essent haben damit begonnen, eine intelligente Steuerung für Speicher in Privathaushalten zu ermöglichen, wobei innerhalb der ersten Monate nach der Einführung Hunderte von Systemen für den Handel zur Verfügung gestellt wurden.
Fabian Wolf, Team Lead Customer Success Management bei gridX, erklärt: „Was wir in den Niederlanden beobachten, ist, dass der Mehrwert nicht aus einem einzigen Anwendungsfall stammt. Der Sprung von etwa 125 Euro Einsparungen durch den Eigenverbrauch auf mehr als 1.700 Euro pro Jahr erfolgt, wenn PV- und Speichersysteme mehrere Optimierungsebenen gleichzeitig kombinieren, von dynamischen Tarifen bis hin zur Flexibilitätsbeteiligung. Es geht nicht darum, Haushalte zum Handel zu drängen, sondern darum, eine Software zu entwickeln, die im Hintergrund zwischen Energiesparen und Geldverdienen wechseln kann, während der Eigenverbrauch weiterhin oberste Priorität hat.“
Flexibilität in der Praxis bewiesen
Anzeichen für den Wandel hin zur Orchestrierung sind auf dem niederländischen Markt bereits sichtbar. Ein Paradebeispiel ist essent, das eine intelligente Steuerung für Heimspeicher in Privathaushalten eingeführt hat, um Netzungleichgewichte auszugleichen. Diese Erfolgsgeschichte zeigt, dass der Übergang vom individuellen Eigenverbrauch zur Orchestrierung auf Systemebene machbar ist.

Einzelhändler und Aggregatoren steuern zunehmend Heimspeicher in Privathaushalten als Reaktion auf Ungleichgewichtssignale und dynamische Preisgestaltung, was einen umfassenderen Übergang vom passiven Solar-Eigenverbrauch zur aktiven Flexibilitätsbeteiligung widerspiegelt. Der Hintergrund für diesen Wandel ist klar: Die Zahl der Speicheranlagen in Privathaushalten in den Niederlanden wächst rasant. Bis Ende 2025 werden voraussichtlich rund 166.800 Batteriesysteme installiert sein, die überwiegende Mehrheit davon in Haushalten.
Das niederländische Stromnetz ist mit strukturellen Engpässen konfrontiert: Mehr als 14.000 Projekte warten auf einen Netzanschluss, was die Beteiligten dazu zwingt, Flexibilität aus dezentralen Anlagen zu erschließen, anstatt sich ausschließlich auf neue Infrastruktur zu verlassen.
Die Ergebnisse zeigen, wie schnell Flexibilitätsmodelle skaliert werden können. Während allein die Speicherkapazität in Privathaushalten bis Ende 2025 voraussichtlich rund 1,3 Gigawattstunden (GWh) erreichen wird, soll die Gesamtbatteriekapazität in allen Segmenten auf etwa 2,9 GWh anwachsen, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht, wobei Haushalten ein erheblicher Anteil an den Neuzugängen zukommt. Dies zeigt, dass dezentrale Anlagen, wenn sie intelligent gebündelt und gesteuert werden, das Potenzial haben, das Netz messbar zu entlasten und gleichzeitig ein tragfähiges Geschäftsmodell für Energieversorger zu schaffen. Eine weitere Umfrage unter 100 niederländischen Endverbraucher:innen zeigt, dass 91 % bereits aktiv am Energiemarkt teilnehmen oder dazu bereit sind – eine Zahl, die wahrscheinlich noch steigen wird, da das Ende der Net-Metering-Regelung die Kostensignale in Richtung einer aktiven Optimierung verschiebt.
Expert:inneneinblicke und Zukunftsaussichten
Irene Guerra Gil erklärt: „Der Übergang von ‚installieren und vergessen‘ zu einer aktiven Orchestrierung ist die Eintrittskarte für die nächste Phase der Energiewende. Wir gehen davon aus, dass das niederländische Stromnetz bis 2030 durch ein umfangreiches, dezentrales Netzwerk aus Heimspeichern und Elektroautos unterstützt wird. Für Unternehmen in diesem Bereich liegt der Wert darin, die digitale Grundlage bereitzustellen, die diese Anlagen in ein zuverlässiges, flexibles und rentables Energiesystem verwandelt.“
Die niederländische Energielandschaft wandelt sich von isolierten Geräten zu vernetzten Ebenen, in denen Software das Verhalten von PV-Anlagen und Heimspeichern steuert, Speicher die Systemstabilität unterstützen und die Flexibilität skaliert wird, ohne Installateure oder Haushalte zusätzlich zu belasten.
Was früher mit der Inbetriebnahme endete, setzt sich nun durch Koordination, Steuerung und kontinuierliche Optimierung fort. Und damit wachsen auch die Umsatzchancen weiter. Der eigentliche Wandel besteht nicht in größeren PV-Anlagen oder schnelleren Batteriezyklen, sondern in einer intelligenten Betriebsebene, die beide Anlagen in einen verlässlichen Systemwert verwandelt.

FAQs: Einstieg in die Nachrüstung von PV und Heimspeichern in den Niederlanden
Wo sollten Haushalte ansetzen, wenn sie die Anschaffung einer PV-Anlage und eines Heimspeichers nach Auslaufen der Net-Metering-Regelung in Betracht ziehen?
Beginnen Sie mit der bestehenden Anlage, nicht mit neuer Hardware. Viele niederländische Haushalte verfügen bereits über PV-Anlagen, die sich dazu anbieten zuerst optimiert zu werden, bevor es zusätzlicher Kapazität bedarf. Ein Verständnis der aktuellen Eigenverbrauchswerte, Tarifstrukturen und verfügbaren Flexibilitätsprogramme hilft dabei zu entscheiden, ob fürs Erste ein Heimspeicher oder ein intelligentes Energiemanagement die größte Wirkung erzielt.
Müssen PV- und Speichersysteme vom selben Hersteller stammen?
Nein. Die meisten Nachrüstungen in den Niederlanden umfassen gemischte Hardware-Ökosysteme. Entscheidend ist, dass die Geräte über eine herstellerunabhängige Energiemanagementebene koordiniert werden können. Bei der Skalierung von PV- und Speichersystemen ist die Kompatibilität auf Softwareebene oft wichtiger als eine gemeinsame Marke.
Was sollten Installateur:innen priorisieren, wenn Kund:innen nach zusätzlichem Speicher fragen?
Über die Dimensionierung des Speichers hinaus (angesichts ihres Potenzials für flexible Anwendungsfälle ist es sinnvoll, wenn der Speicher eine höhere Kapazität hat als die PV-Anlage sie hat) sollten Installateur:innen beurteilen, wie das System nach der Installation gesteuert wird. Mit der Ausweitung dynamischer Tarife und Flexibilitätsmärkte hängt der langfristige Wert weniger von der Hardwarekapazität ab als vielmehr davon, ob PV- und Speicheranlagen intelligent integriert werden und sich automatisch an Preissignale anpassen können. Ein HEMS ist die Grundlage dafür. Die vollständige Kompatibilitätsliste von gridX finden Sie hier.
Hardware allein lässt sich immer schwieriger als Alleinstellungsmerkmal positionieren. OEMs differenzieren sich zunehmend durch Softwarefunktionen, Integrationsfähigkeit und die Möglichkeit, ein Energiemanagement anzubieten, das PV-, Heimspeicher- und andere Geräte miteinander verbindet, ohne Kund:innen an ein einziges Ökosystem zu binden.
