Die NAL wurde 2019 im Rahmen des niederländischen Klimaabkommens ins Leben gerufen und bringt nationale und regionale Behörden, Gemeinden, Netzbetreiber, Wissensorganisationen und Marktteilnehmer:innen zusammen. Ziel ist es, dass Fahrer:innen sicher, zuverlässig und intelligent laden können – zu Hause, am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum und an Logistikstandorten.
Die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ ist ein nationaler Kooperationsrahmen, der den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit einer besseren Anbindung, Steuerung und Integration in ein zunehmend ausgelastetes Stromnetz verbindet.
Warum wurde die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ eingeführt?
Das niederländische Klimaabkommen sieht vor, dass alle neu verkauften Pkw in den Niederlanden bis 2030 emissionsfrei sein sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Ladeinfrastruktur der Nachfrage vorausgehen, statt erst zu folgen, wenn die Elektrofahrzeuge schon auf der Straße sind.
Als die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ entstand, ging die nationale Prognose davon aus, dass bis 2030 rund 1,7 Millionen Ladepunkte benötigt werden könnten – private, öffentliche, halböffentliche Infrastruktur sowie Schnellladeinfrastruktur eingeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in den Niederlanden weniger als 50.000 öffentliche und halböffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Die NAL betont, dass die 1,7 Millionen Ladepunkte eine Prognose auf Basis der 2019 verfügbaren Informationen und kein festes politisches Ziel seien, Technologische Entwicklungen, wie etwa schnellere Ladeleistung oder größere Fahrzeugreichweiten, sowie das Verhalten der Fahrer:innen, können beeinflussen, wie viele Ladepunkte welcher Art letztlich benötigt werden.
Ohne koordinierte Planung können mehrere Probleme entstehen:
- Ladepunkte werden zu spät oder am falschen Ort installiert
- Netzkapazität steht nicht zur Verfügung, wenn neue Ladestandorte angeschlossen werden sollen
- Kommunen wenden uneinheitliche Vergabe- und Genehmigungsverfahren an
- Fahrer:innen erfahren unzuverlässiges Laden oder unklare Preise
- Die Ladenachfrage verstärkt bestehende Lastspitzen im Stromnetz
- Gewerbliche Flotten können nicht nach Plan elektrifiziert werden
Die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ adressiert diese Probleme, indem sie nationale Politik mit regionaler Planung, kommunaler Umsetzung und privatwirtschaftlicher Realisierung koordiniert
Wie funktioniert die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“?
In der NAL arbeiten das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Wassermanagement, das Ministerium für Klimapolitik und grünes Wachstum, die niederländische Agentur für Unternehmertum, das Formula E-Team, der Verband der niederländischen Gemeinden, der Verband der Provinzbehörden, Netzbetreiber, ElaadNL und die nationale Wissensplattform für Ladeinfrastruktur zusammen.
Ein Großteil der praktischen Arbeit findet über sechs regionale Kooperationsstrukturen statt. Provinzen, Gemeinden und Netzbetreiber nutzen diese Regionen, um Ladestrategien, Vergabeprogramme, Prognosen und die Umsetzung an lokale Bedürfnisse anzupassen.
Gemeinden spielen eine besonders wichtige Rolle, da sie festlegen, wo öffentliche Ladeinfrastruktur installiert werden kann. Sie müssen die künftige Ladenachfrage einschätzen, geeignete Standorte auswählen, Ausschreibungen und Genehmigungen organisieren und sicherstellen, dass auch Bewohner:innen ohne eigene Hausauffahrten Zugang zu öffentlichen Ladepunkten haben.
Regionale und nachbarschaftsbezogene Prognosen helfen den Behörden, die Ladenachfrage vorherzusehen. Diese Prognosen lassen sich an lokale Gegebenheiten anpassen, etwa Parkraumpolitik, geplante Wohnungsbauprojekte, emissionsfreie Zonen, Logistikaktivität und verfügbare Netzkapazität. Aktualisierte Nachfrageprognosen können dann mit Netzbetreibern geteilt werden, damit diese Elektromobilität in ihre Netzplanung einbeziehen.
Das Ergebnis ist ein System, in dem Ladeinfrastruktur als Teil der Raum-, Mobilitäts- und Energieplanung behandelt wird – und nicht als Sammlung isolierter Ladepunkte.
Was ist der Hauptfokus der NAL?
Der Fokus der „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ umfasst mehrere miteinander verknüpfte Bereiche:
Öffentliches und privates Laden
Die Niederlande brauchen einen Mix aus Lademöglichkeiten zu Hause, am Arbeitsplatz, im halböffentlichen und öffentlichen Raum, sowie Schnellladestationen. Der passende Mix unterscheidet sich je nach Standort. Städtische Bewohner:innen sind oft stark auf öffentliches Laden am Straßenrand angewiesen, während Fahrer:innen in dünner besiedelten Gebieten überwiegend zu Hause laden.
Die öffentliche Infrastruktur muss mit wachsender Verbreitung von Elektrofahrzeugen ausreichend verfügbar bleiben. Behörden beobachten daher Indikatoren wie Ladedruck, geografische Abdeckung, die Anzahl der Plug-in-Fahrzeuge pro Ladepunkt und die Verteilung verschiedener Ladetypen und Ladeleistungen.
Logistik und Schwerlastverkehr
Die Elektrifizierung von Lieferwagen und Lkw erfordert deutlich mehr Leistung als das Laden von Pkw. Depotbetreiber:innen müssen unter Umständen mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden.
Die Netzkapazität kann dabei zu einem unmittelbaren Engpass für die Flottenelektrifizierung werden. Das Programm unterstützt die Ladeinfrastruktur für Logistik durch Planungstools, Wissensaustausch und Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Gemeinden und Netzbetreibern. Das ist besonders rund um Logistikzentren, Gewerbegebiete, Häfen und emissionsfreie Zonen wichtig.
Ladesicherheit und Zuverlässigkeit
Ladeinfrastruktur muss technische und physische Sicherheitsanforderungen erfüllen. Das betrifft Installationen in Parkhäusern, im öffentlichen Raum, am Arbeitsplatz und an Logistikstandorten.
Ebenso wichtig ist die Zuverlässigkeit. Fahrer:innen und Flottenbetreiber:innen müssen sich darauf verlassen können, dass Ladepunkte funktionieren und Fahrzeuge vor der Abfahrt die benötigte Energiemenge erhalten. Mit zunehmend intelligenter gesteuertem Laden hängt die Zuverlässigkeit sowohl von der Hardwareleistung als auch von der Software ab, die die Ladevorgänge koordiniert.
Transparentes und interoperables Laden
Fahrer:innen von Elektrofahrzeugen sollten Ladepreise verstehen und ohne unnötige Komplexität auf Ladeinfrastruktur zugreifen können. Interoperabilität zwischen Fahrzeugen, Ladepunkten, Ladepunktbetreibern und E-Mobility-Dienstleistern schafft ein einheitliches Ladeerlebnis über verschiedene Netze hinweg.
Auch der Datenaustausch gewinnt an Bedeutung. Intelligentes und netzbewusstes Laden erfordert genaue Informationen zu Ladevorgängen, verfügbarer Standortkapazität, Fahrzeugbedarf, Tarifen und Netzzustand.
Smart Charging innerhalb der „„Nationale Agenda Laadinfrastructuur“
Smart Charging, oder slim laden, ist zu einer der wichtigsten Prioritäten der NAL geworden.
Eine von der NAL zitierte Studie ergab, dass in einem Szenario mit teilweiser Flottenelektrifizierung bis 2030 32 % der untersuchten Gewerbeanschlüsse bei unkontrolliertem Laden nicht über ausreichende Kapazität verfügen würden. Smart Charging senkte diesen Anteil auf 19 %.
Statt jedes Fahrzeug sofort nach dem Anschließen mit voller Leistung zu laden, passt Smart Charging an, wann und wie schnell Fahrzeuge geladen werden. Steuerungsentscheidungen können Abfahrtszeiten, die Anzahl angeschlossener Fahrzeuge, verfügbare Standortkapazität, Strompreise, Erzeugung aus erneuerbaren Energien oder Signale aus dem Netz berücksichtigen.
Eine Form davon ist „netbewust laden“, also netzbewusstes Laden. Dabei wird die Ladeleistung vorübergehend reduziert, wenn das lokale Stromnetz stark ausgelastet ist. Sobald wieder mehr Kapazität verfügbar ist, kann das Laden erneut beschleunigt werden.
Ein niederländisches Winterpilotprojekt in Utrecht mit rund 3.500 öffentlichen Ladepunktenzeigte diesesPotenzial. Während der Abendspitzen reduzierte netzbewusstes Laden die auf öffentliches Laden zurückzuführende Last um bis zu 49,5 %. Die meisten Fahrzeuge waren trotzdem während der nachfrageärmeren Nachtstunden vollständig geladen. Das Pilotprojekt zeigte außerdem praktische Anforderungen auf, darunter eine Mindestladeleistung, klare Kommunikation an die Fahrer:innen und die Möglichkeit, bei dringendem Ladebedarf abzulehnen.
Der nächste Schritt ist dynamischeres netzbewusstes Laden. Statt während fester Zeitfenster dieselben Einschränkungen anzuwenden, können Ladesysteme auf standortspezifische Signale reagieren, die Netzbetreiber im Voraus senden. So lässt sich verfügbare Kapazität präziser zuteilen.
Smart Charging setzt sich bereits im Massenmarkt durch. Laut dem NAL-Monitoringbericht 2026 waren 57 % der niederländischen Ladevorgänge im Jahr 2025 Smart-Charging-Vorgänge. An öffentlichen Ladepunkten lag der Anteil bei rund 51 %, an Arbeitsplatzladern bei 45 %.
Langfristig könnte bidirektionales Laden Elektrofahrzeugen ermöglichen, Strom zu speichern und später an ein Gebäude oder das Netz zurückzuspeisen. Das könnte helfen, erneuerbare Erzeugung aufzunehmen, Lastspitzen zu senken und zusätzliche Flexibilität zu schaffen. Eine breite Nutzung hängt jedoch von kompatiblen Fahrzeugen und Ladegeräten, interoperabler Kommunikation, passenden Tarifen und einem tragfähigen Geschäftsmodell ab.
Was bedeutet die NAL für Marktteilnehmer:innen im Ladebereich?
Die „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ betrifft ein breites Ökosystem.
Für Gemeinden und Provinzen schafft sie einen strukturierten Ansatz für Prognosen, Vergabe und regionale Abstimmung. Für Netzbetreiber sorgt sie für bessere Transparenz über die künftige Ladenachfrage und schafft Mechanismen zur Umsetzung netzbewussten Ladens.
Für Ladepunktbetreiber erhöht die Agenda die Erwartungen über die reine Installation und Wartung von Hardware hinaus. Betreiber:innen müssen Leistung zunehmend dynamisch steuern, Daten mit Netzbetreibern austauschen und zuverlässiges Laden innerhalb lokaler Kapazitätsgrenzen gewährleisten.
E-Mobility-Anbieter:innen müssen Fahrer:innen transparente Informationen und ein konsistentes Erlebnis bieten, selbst wenn Ladegeschwindigkeiten angepasst werden. Flottenbetreiber:innen brauchen Ladestrategien, die betriebliche Verfügbarkeit sicherstellen, ohne die Kapazität ihres Netzanschlusses zu überschreiten.
Für Energieversorger und Flexibilitätsanbieter entsteht durch vernetztes Laden von Elektrofahrzeugen ein wachsender Pool an flexibler Stromnachfrage. Laden kann potenziell auf Großhandelspreise, die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, Portfolioanforderungen und Signale aus Flexibilitätsmärkten reagieren, solange die Mobilitätsbedürfnisse gewahrt bleiben.
Wie gridX die Ziele der „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ unterstützt
Die von der NAL angestrebte Transformation erfordert mehr als nur physische Ladeinfrastruktur. Ladepunkte müssen mit einer intelligenten Steuerungsebene verbunden sein, die Leistung über Ladepunkte und andere Energieanlagen hinweg koordinieren kann.
Die EVCI-Produkte von gridX unterstützen diese Entwicklung über drei Wertschöpfungsebenen:
1. Control: Zuverlässiges Laden innerhalb der Standortgrenzen
EVCI Control schützt den lokalen Netzanschluss und die elektrische Infrastruktur. Der Sicherungsschutz schützt Sicherungen auf jeder Ebene vor Überlastung. Durch dynamisches Lastmanagement lässt sich die Ladeleistung auf mehrere Ladepunkte verteilen, ohne die Kapazität des Standorts zu überschreiten – dabei wird stets der gesamte Standortverbrauch berücksichtigt. Peak Shaving sorgt mit 15-minütiger Optimierung dafür, dass Netzentgeltgrenzen innerhalb der jeweiligen Abrechnungsperioden des Netzbetreibers nicht überschritten werden.
Regulatorische Compliance beziehungsweise DSO-Signaling sorgt dafür, dass Signale der Netzbetreiber integriert werden, um ein netzfreundliches Ladeverhalten zu ermöglichen. Durch die Einhaltung von §14a EnWG in Deutschland können EV-Ladestandorte beispielsweise ihre jährlichen Betriebskosten um bis zu 6.000 € senken.
Damit unterstützt gridX direkt den Bedarf der NAL an zuverlässiger Infrastruktur und eine intelligentere n Nutzung knapper Netzkapazität.
2. Optimize: Niedrigere Betriebskosten beim Laden
EVCI Optimize koordiniert das Laden nach betrieblichen Anforderungen, Energiepreisen, lokaler Erzeugung und verfügbarer Kapazität.
So lässt sich das Laden zum Beispiel in Zeiten mit niedrigeren Preisen oder höherer Solarproduktion am Standort verschieben. Gleichzeitig können Fahrzeuge weiterhin nach ihren Abfahrtszeiten und dem benötigten Ladestand priorisiert werden. Batterien und Photovoltaikanlagen lassen sich zudem einbinden, um die Netzgrenze virtuell zu erweitern, ohne den Netzanschlusspunkt physisch auszubauen.
So wird Ladeinfrastruktur zu einem aktiv gesteuerten Energiesystem statt zu einer festen elektrischen Last.
3. Flex: Ladeflexibilität monetarisieren
EVCI Flex ermöglicht es vernetzten Ladeanlagen, an mehreren Energiemärkten teilzunehmen. Die aggregierte Ladenachfrage kann auf Marktsignale reagieren, während Standortgrenzen und Fahrzeuganforderungen eingehalten werden.
Damit entsteht ein Weg vom einfachen Lastmanagement hin zum Flexibilitätshandel und weiteren Einnahmemöglichkeiten. Das spiegelt auch die Ausrichtung der „Nationale Agenda Laadinfrastructuur“ wider: Ladeinfrastruktur soll nicht nur zusätzliche Netzprobleme vermeiden. Mit der richtigen Konnektivität und Optimierung kann sie zu einem flexibleren und widerstandsfähigeren Energiesystem beitragen.
Alle drei Ebenen laufen auf der XENON-Plattform von gridX. So können CPOs, E-Mobility-Anbieter:innen und Flottenmanager:innen Ladepunkte und andere dezentrale Energieanlagen vernetzen und einen Ladestandort zu einem Portfolio ertragsstarker Anlagen ausbauen.
Zukunftsausblick
Die nächste Phase der niederländischen Ladeinfrastruktur wird davon geprägt sein, wie intelligent die Kapazität genutzt wird – nicht allein davon, wie viele Ladepunkte installiert werden. Zuverlässige lokale Steuerung muss an erster Stelle stehen: Jedes Fahrzeug braucht genug Energie, ohne dass der Standort seine Netzgrenze überschreitet. Sobald diese Grundlage steht, können Betreiber:innen die Ladekosten optimieren und schließlich aggregierte Ladekapazität als Quelle von Energieflexibilität nutzen.
Die NAL spiegelt genau diese Entwicklung wider. Die Niederlande brauchen weiterhin mehr Ladeinfrastruktur, doch Skalierung allein wird die Herausforderung nicht lösen. Konnektivität, Echtzeitsteuerung und die Abstimmung zwischen Ladepunkten, Standorten und dem Stromsystem werden entscheiden, ob Elektromobilität trotz wachsender Netzengpässe weiterwachsen kann.
