Published:
September 22, 2026
Updated:
September 22, 2026

Future Homes Standard

Der „Future Homes Standard“ (FHS) ist Englands neuer Energieeffizienzstandard für Neubauten. Er ändert die Bauvorschriften dahingehend, dass neue Wohngebäude mit kohlenstoffarmer Heizung, hoher Energieeffizienz und in den meisten Fällen mit einer eigenen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien gebaut werden. Das erklärte Ziel der Regierung ist es, dass nach diesem Standard gebaute Häuser keine nachträglichen Nachrüstungen erfordern, damit sie im Betrieb emissionsfrei sind, sobald das Stromnetz dekarbonisiert ist.

Zeitplan für den Future Homes Standard

2019: Die Regierung startet ihre erste Konsultation zum „Future Homes Standard“, der ursprünglich ab 2025 implementiert werden sollte.

Dezember 2023 – März 2024: Im Rahmen einer technischen Konsultation werden detaillierte Vorschläge zu den Anforderungen an Energieeffizienz, Heizung und Gebäudeleistung vorgelegt.

März 2026: Die endgültigen Bestimmungen zum Future Homes Standard, anerkannte Dokumente und die Stellungnahme der Regierung zur Konsultation werden veröffentlicht.

24. März 2027: Der Großteil der neuen Anforderungen tritt in Kraft. Für Projekte, die vor diesem Datum eingereicht wurden, gelten möglicherweise Übergangsregelungen.

24. September 2027: Bestimmte Änderungen, die Bauarbeiten erhöhten Risikos betreffen, sollen in Kraft treten.

24. März 2028: Bei förderfähigen Übergangsprojekten soll der Baubeginn bereits erfolgt sein, damit sie nach bisherigen Standards fortgeführt werden können.

Was sind die Hauptanforderungen des Future Homes Standard?

Was sind die Hauptanforderungen des Future Homes Standard?

Die Bauvorschriften des Future Homes Standard sind eher an die Gesamtgebäudeleistung angelehnt, anstatt für jedes Haus eine bestimmte Technologie vorzuschreiben. Die Regierung hat Teil L, der die Energieeffizienz- und Emissionsanforderungen der Bauvorschriften beinhaltet, angepasst und um eine neue funktionale Anforderung erweitert, sodass nun sowohl Energieeinsparungen als auch Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden. Außerdem wurde eine neue funktionale Anforderung (L3) eingeführt, die die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien vor Ort für neue Häuser und Wohngebäude regelt.

Dezentrale Energieanlagen im Vereinigten Königreich

Der Future Homes Standard ist zu einem Zeitpunkt in Kraft getreten, an dem die Zahl dezentraler Energieanlagen (DER) im gesamten Vereinigten Königreich (UK) rasant zunimmt. Im März 2026 wurde die Marke von 2 Millionen Installationen von Photovoltaik-(PV-)anlagen überschritten, während die Zahl der neu installierten Wärmepumpen in Neubauten im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 % stieg. Gleichzeitig wurden im UK bis Ende März 2026 rund 1,86 Millionen emissionsfreie Autos zugelassen, die Zahl der MCS-zertifizierten Heimspeicher überschritt im Juli 2026 die Marke von 100.000 Stück.

Da immer mehr Haushalte Solarenergie, Wärmepumpen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge (EV) und Batteriespeicher kombinieren, verlagert sich die Herausforderung von der bloßen Installation kohlenstoffarmer Technologien hin zu deren Vernetzung und Koordination.

Zwar schreibt der FHS kein Home-Energy-Management-System (HEMS) vor, doch kann ein HEMS die Steuerungsebene bereitstellen, die diese Komponenten als ein System verwaltet und so den Verbrauch, die Erzeugung und die Speicherung im Haushalt optimiert, während es gleichzeitig auf Strompreise und Netzsignale reagiert.

Sind Wärmepumpen nach dem Future Homes Standard vorgeschrieben?

Nicht im wörtlichen Sinne. Die Verordnung ist weiterhin leistungsorientiert und schreibt nicht vor, dass jedes Haus mit einem bestimmten Wärmepumpentyp ausgestattet sein muss. In der Praxis müssen Neubauten jedoch die geforderte Leistung durch eine kohlenstoffarme Heizung erreichen. So würde beispielsweise ein typisches neu gebautes Doppelhaus eine Luftwärmepumpe oder einen Anschluss an ein Fernwärmenetz anstelle eines Gaskessels benötigen, um sein Emissionsziel zu erreichen. Die Regierung bestätigt, dass Wärmepumpen oder Fernwärmenetze diese Anforderung erfüllen können, Gaskessel hingegen nicht.

Schreibt der Future Homes Standard Solarpaneele vor?

Die genaue Antwort ist differenzierter als ein einfaches „Ja“. Die Vorschriften schaffen eine gesetzliche Verpflichtung – vorbehaltlich bestimmter Anwendungsgrenzen – zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien, wenn ein neues Wohnhaus oder ein Gebäude mit Wohnungen errichtet wird. PV-Anlagen sind der bevorzugte Weg zur Erfüllung dieser Anforderung. Nach den Leitlinien der Regierung gilt die Anforderung als erfüllt, wenn Solarpaneele installiert werden, die 40 % der Erdgeschossfläche jeder Wohnung entsprechen; es können jedoch auch andere Methoden zum Einsatz kommen, und je nach Bauweise und Umgebung kann eine geringere PV-Deckung sinnvoll sein.

Es gibt zudem ausdrückliche Einschränkungen. Wenn die verfügbare Dachfläche nicht ausreicht, realistisch 720 kWh pro Jahr zu erzeugen, kann es laut den Leitlinien gerechtfertigt sein, auf die Installation einer PV-Anlage zu verzichten. Bestimmte relevante Gebäude mit einem Stockwerk, das mindestens 18 Meter über dem Boden liegt, sind von der neuen funktionalen Anforderung ausgenommen. Eine direkt angeschlossene Anlage zur Erzeugung erneuerbarer Energie außerhalb des Gebäudegrundstücks kann unter bestimmten Umständen ebenfalls die Anforderungen erfüllen. Mit anderen Worten: Die Richtlinie zielt darauf ab, die Mehrheit der neuen Häuser mit PV-Anlagen auszustatten.

Sind intelligente Stromzähler in Neubauten vorgeschrieben?

Bei intelligenten Stromzählern (Smart Meter) ist eine weitere wichtige Präzisierung erforderlich. Das Future-Homes-Paket schreibt die Installation intelligenter Stromzähler nicht zwingend vor. Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Klimaneutralität hat stattdessen aktualisierte freiwillige Leitlinien veröffentlicht, damit Neubauten von Anfang an so geplant und gebaut werden können, dass sie sich für die Nachrüstung mit intelligenten Stromzählern eignen. Auf diese Vorgabe verweist das sogenannte „Approved Document L“, gültig in ganz England, Schottland und Wales.

Zudem gab es eine Änderung bei der geplanten Methodik zur Einhaltung der Vorschriften. Die Regierung hatte beabsichtigt, das neue „Home Energy Model“ (HEM) zur Unterstützung des FHS einzusetzen, doch dessen Einführung verzögerte sich während der abschließenden Qualitätssicherung.

Seit August 2026 ist SAP 10.3 – die aktuelle Version des Standardbewertungsverfahrens zur Berechnung der Energieeffizienz von Wohngebäuden – die einzige zugelassene Methodik zur Einhaltung der Vorschriften; das HEM soll diese später ablösen.

Was bedeutet der Future Homes Standard für die Elektrifizierung von Wohngebäuden?

Was bedeutet der Future Homes Standard für die Elektrifizierung von Wohngebäuden?

Die strategische Bedeutung des FHS geht über eine bessere Dämmung oder den Austausch einer Heizungsanlage hinaus. Er beschleunigt den Wandel hin zu Wohngebäuden mit mehreren DER, inklusive steuerbaren elektrischen Verbrauchsanlagen.

Ein zukünftiger Energie-Stack für Neubauten könnte zunehmend wie folgt aussehen:

Multi-Asset-Häuser mit PV-Anlage, Wärmepumpe, Smart Meter, Elektrofahrzeug bzw. Wallbox und Heimspeicher

Nicht alle Elemente stammen direkt aus dem FHS. Der FHS fördert kohlenstoffarme Heizsysteme und die Erzeugung erneuerbarer Energie vor Ort, während die begleitenden freiwilligen Leitlinien Gebäude unterstützen, die auf intelligente Stromzähler ausgelegt sind. Die Ladeinfrastruktur für EV wird separat durch Teil S der englischen Bauvorschriften geregelt, Heimspeicher sind nicht vorgeschrieben.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da ein elektrifiziertes Haus nicht automatisch ein flexibles Haus ist. Die PV-Stromerzeugung schwankt je nach Wetter und Tageszeit. Eine Wärmepumpe verursacht eine erhebliche elektrische Last, wobei ein gewisses Potenzial zur Verschiebung des Verbrauchs besteht. Das EV-Laden kann eine weitere große Last darstellen, während eine Batterie Energie zwischen verschiedenen Zeiträumen verschieben kann. Ohne Koordination laufen diese Technologien nebeneinander her. Mit Vernetzung und intelligentem Energiemanagement lassen sie sich jedoch als ein einziges Haushaltsenergiesystem steuern.

Dies gewinnt auf dem breiteren UK-Strommarkt zunehmend an Bedeutung. Die sogannte „Clean Flexibility Roadmap“ der Regierung verknüpft intelligente Stromzähler ausdrücklich mit flexiblen Tarifen, intelligentem EV-Laden und der flexiblen Nutzung von Wärmepumpen. Bis Mitte Juni 2026 waren bereits mehr als 11,3 Millionen intelligente Stromzähler auf halbstündliche Abrechnung umgestellt worden, wobei das landesweite Programm zur halbstündlichen Abrechnung darauf abzielt, eine stabilere Grundlage für flexible Endkund:innenprodukte zu schaffen.

Für Energieunternehmen schafft FHS somit eine größere potenzielle Basis an elektrisch betriebenen, datenerzeugenden und potenziell steuerbaren Haushaltsanlagen. Dies bietet Chancen für mehr Flexibilität im Energiebereich, allerdings nur, wenn die Geräte tatsächlich miteinander kommunizieren und koordiniert werden können.

Welche Möglichkeiten schafft der Future Homes Standard für Energieunternehmen?

Energieversorger und -händler

Für Energieversorger und -händler besteht die kommerzielle Chance darin, über die reine Lieferung von Kilowattstunden hinaus eine breitere digitale Beziehung zu den zunehmend elektrifizierten Haushalten aufzubauen. Ein vernetztes HEMS kann potenziell dynamische Tarife, automatisierte Optimierung und die Teilnahme an Flexibilitätsprogrammen unterstützen und gleichzeitig den Bedarf der Kund:innen verringern, einzelne Geräte manuell zu koordinieren. Die Regierung treibt die Entwicklung des britischen Marktes in den Bereichen halbstündliche Abrechnung, flexible Verbraucher:innentarife und interoperable intelligente Geräte aktiv voran.

Originalgerätehersteller und Flexibilitätsanbieter

Dank Interoperabilität können Wärmepumpen, PV-Anlagen, Wallboxen für EV sowie Heimspeicher Teil integrierter Energiekonzepte für Privathaushalte werden, anstatt als isolierte Geräte zu funktionieren. Für Flexibilitätsanbieter erweitert ein wachsender Pool vernetzter Anlagen zudem das Potenzial für Flexibilität im Wohnbereich.

Bauunternehmer und Immobilienentwickler

Durch den FHS fließen Entscheidungen zur Energieinfrastruktur bereits in einer früheren Phase des Entwicklungsprozesses ein. Die Planung von Häusern unter Berücksichtigung der Konnektivität und zukünftiger Energiedienstleistungen kann die Integration und Koordination zusätzlicher Anlagen über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes hinweg erleichtern.

Installateursbetriebe

Stärker elektrifizierte Häuser mit mehreren Anlagen erhöhen die Komplexität bei der Installation und Inbetriebnahme. Kompatible, vernetzte Systeme können die Inbetriebnahme vereinfachen, Integrationsprobleme reduzieren und eine solidere Grundlage für das spätere Hinzufügen oder Ersetzen von Energieanlagen schaffen.

Entscheidend ist, dass die DER-Installation einen potenziellen Mehrwert schafft. Erst durch deren Vernetzung und Koordination wird dieser Mehrwert nutzbar.

Welche Möglichkeiten schafft der Future Homes Standard für Energieunternehmen?

Expertenmeinung: Von energieeffizienten Häusern zu flexiblen Energiesystemen

Der Future Homes Standard stellt einen bedeutenden Wandel in der Art und Weise dar, wie neue Häuser in England entworfen werden. Höhere Energieeffizienzanforderungen, kohlenstoffarme Heizsysteme und eine stärkere Erzeugung erneuerbarer Energien sollen sowohl den Energiebedarf der Haushalte als auch die laufenden CO₂-Emissionen senken. Letztendlich handelt es sich bei dem Standard jedoch um eine Bauverordnung und nicht um einen Entwurf für ein flexibles Energiesystem.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Die Installation einer Wärmepumpe oder einer PV-Anlage bedeutet nicht automatisch, dass ein Haushalt Energie zu den effizientesten oder wirtschaftlichsten Zeiten nutzt. Mit dem Einzug von EV, Heimspeichern und anderen flexiblen Anlagen entwickeln sich Haushalte zunehmend zu Energiesystemen mit mehreren Komponenten, bei denen Erzeugung, Verbrauch und Speicherung hinter einem einzigen Netzanschluss miteinander interagieren.

Hier gewinnen Vernetzung und Heimenergiemanagement zunehmend an Bedeutung. Durch die Vernetzung von Anlagen verschiedener Hersteller kann ein HEMS die Erzeugung, den Verbrauch und die Speicherung von Energie koordinieren. Dies kann Haushalten helfen, den Eigenverbrauch aus Solarenergie zu steigern, den Bedarf auf kostengünstigere Zeiträume zu verlagern und auf dynamische Tarife zu reagieren, während gleichzeitig die technische Grundlage für umfassendere Flexibilitätsdienste geschaffen wird.

Der FHS verlangt kein HEMS und keine Haushaltsflexibilität. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Energieeffizienz von Neubauten zu verbessern und deren Betriebsemissionen zu senken. Er wird die Elektrifizierung neuer Wohnhäuser in England beschleunigen, während sich der britische Strommarkt gleichzeitig in Richtung halbstündiger Abrechnung, intelligenterer Tarife und größerer verbraucherorientierter Flexibilität bewegt. Die Chance besteht darin, sicherzustellen, dass diese beiden Entwicklungen letztendlich zusammenwirken.

Wie Carsten Schäfer, Leiter Regulatory Affairs und Innovation bei gridX, treffend formulierte: „Der Future Homes Standard ist ein wichtiger Schritt hin zu effizienteren, elektrifizierten Haushalten. Die nächste Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass die Technologien in diesen Haushalten nicht isoliert voneinander betrieben werden. Da immer mehr Anlagen an denselben Netzanschluss angeschlossen werden, können Vernetzung und intelligentes Energiemanagement dazu beitragen, einzelne Technologien zu einem koordinierten System zu verbinden, das heute einen Mehrwert für die Haushalte schafft und gleichzeitig die Grundlage für die Flexibilität der Haushalte in der Zukunft legt.“