Was ist das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG)?
Das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) ist das zentrale deutsche Gesetz zur Regelung des Betriebs und Einsatz von Messestellen, moderner Messeinrichtungen und Messsysteme wie Smart Metern. Es wurde erstmals im August 2016 im Rahmen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet und schuf die rechtliche Grundlage für intelligente Messsysteme und digitale Energieinfrastruktur. Seitdem wurde es mehrfach angepasst, unter anderem durch Novellen im Jahr 2021 sowie weitere Änderungen 2025, um den fortschreitenden Anforderungen der Energiewende und insbesondere dem Smart Meter Rollout in Deutschland Rechnung zu tragen.
Warum ist das Messstellenbetriebsgesetz für die Energiewende wichtig?
Das Messstellenbetriebsgesetz ist zentral für die digitale Energiewende. Es schafft die regulatorischen Rahmenbedingungen für den Aufbau und Betrieb intelligenter Messinfrastruktur, die Verbrauchsdaten in Echtzeit erfassen und übermitteln kann und damit dynamische Tarife sowie flexible Energiedienstleistungen ermöglicht. Diese bilden die Grundlage für Netztransparenz, Systemstabilität und die Integration erneuerbarer Energien. Durch die Festlegung von Marktrollen und technischen Anforderungen schafft es zudem einen verlässlichen Rahmen für Energieversorger, Technologieanbieter und Plattformunternehmen zur Skalierung digitaler Energielösungen.
Mit Blick auf das Jahr 2026 wird das MsbG immer bedeutender, da sich das Energiesystem zu einem flexiblen, datengetriebenen Betrieb entwickelt, in dem sichere und interoperable Messtechnik für Flexibilitätsmärkte und dezentrales Energiemanagement unverzichtbar wird.
Was regelt das MsbG?
Das MsbG definiert den regulatorischen Rahmen für die Installation, den Betrieb und die Integration der Messinfrastruktur in das deutsche Energiesystem. Es legt fest, welche Arten von Messsystemen eingesetzt werden müssen, wie Messstellen zu betreiben sind und welche Marktakteure für diese Aufgaben verantwortlich sind. Dabei unterscheidet das Gesetz klar zwischen grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreibern und weist Verantwortlichkeiten über den gesamten Lebenszyklus der Messstellen zu, von der Installation und dem Betrieb bis hin zu Wartung und Austausch.
Zudem enthält es verbindliche Vorgaben zur Datenkommunikation und Datensicherheit. Dazu gehören der Einsatz zertifizierter Smart-Meter-Gateways, verschlüsselte Kommunikation sowie klar definierte Zugriffsrechte für berechtigte Marktteilnehmer. Zusätzlich regelt das Gesetz Preisobergrenzen und Kostenkontrolle, um Verbraucher:innen zu schützen und einen wirtschaftlich effizienten Rollout der digitalen Messinfrastruktur sicherzustellen.
Messsysteme nach MsbG
Das Messstellenbetriebsgesetz definiert moderne Messeinrichtungen und darauf aufbauende intelligente Messsysteme als Grundlage für digitales Messen in Deutschland.
Die Basis bildet die moderne Messeinrichtung (mME). Diese digitalen Zähler ersetzen veraltete analoge Geräte, ermöglichen genauere Messungen, schaffen grundlegende Transparenz und stellen den Mindeststandard für die meisten Messstellen dar. Sie verfügen jedoch über keine eigene Kommunikationseinheit.
Darauf aufbauend werden intelligente Messsysteme (iMSys) eingesetzt, die üblicherweise als Smart Meter bezeichnet werden. Ein iMSys besteht aus einer modernen Messeinrichtung in Kombination mit einem Smart-Meter-Gateway (SMGW) sowie optionalen Steuerboxen. Diese Komponenten ermöglichen eine sichere, verschlüsselte und bidirektionale Kommunikation zwischen der Messstelle und berechtigten Marktteilnehmern wie Netzbetreibern und Energieversorgern. iMSys unterstützen erweiterte Anwendungsfälle wie fern auslesbare Zählerstände, zeitvariable oder dynamische Tarife sowie netz- und marktorientiertes Energiemanagement.
Wen betrifft das Messstellenbetriebsgesetz?
Das Messstellenbetriebsgesetz hat verschiedene Auswirkungen auf verschiedene Akteure. Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Gruppen:
Endkund:innen
Endkund:innen, einschließlich Haushalte und Unternehmen, bekommen Zugang zu transparenten Verbrauchsdaten und können in den meisten Fällen dynamische Stromtarife nutzen. Bestimmte Kund:innenengruppen unterliegen je nach Verbrauchsmenge oder Erzeugungskapazität der Pflicht zur Installation intelligenter Messsysteme.
Messstellenbetreiber
Messstellenbetreiber stehen im Zentrum des MsbG. Das Gesetz unterscheidet zwischen grundzuständigen Messstellenbetreibern und wettbewerblichen Messstellenbetreibern.
Grundzuständige Messstellenbetreiber sind in der Regel an den örtlichen Netzbetreiber gebunden und sorgen für den Betrieb der Messstellen als Standarddienst innerhalb eines Netzgebiets.
Wettbewerbliche Messstellenbetreiber können von Kund:innen beauftragt werden, den Messstellenbetrieb zu übernehmen und darüber hinaus zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, zum Beispiel detaillierte Verbrauchsanalysen, Energiemonitoring-Apps oder Beratung zu dynamischen Tarifen.
Netzbetreiber
Netzbetreiber profitieren von einer verbesserten Verfügbarkeit von Messdaten, die Netztransparenz, Prognosen, Engpassmanagement und die Integration dezentraler Energiequellen unterstützen. Auch wenn Netzbetreiber nicht zwingend für den Betrieb der Messstellen verantwortlich sind, benötigen sie eine konforme Messinfrastruktur für einen effizienten Systembetrieb.
Energieversorger und digitale Energiedienstleister
Energieversorger und digitale Energiedienstleister nutzen die von intelligenten Messsystemen bereitgestellten Verbrauchsdaten und Prognosen, um ihre Bilanzkreise und Portfolios effizient zu steuern. Auf dieser Grundlage entwickeln sie dynamische Tarifmodelle, Flexibilitätsprodukte und Energiemanagement-Dienstleistungen, die sowohl Kund:innen als auch Netzbetreibern Vorteile bringen.
Warum das MsbG auch 2026 wichtig ist
Das Messstellenbetriebsgesetz regelt nicht nur die Messtechnik, sondern definiert auch, wie Messdaten ins Energiesystem gelangen und unter welchen Bedingungen sie sicher zugänglich und nutzbar sind. Smart Meter sind kein Selbstzweck, sondern ein zentraler Baustein für Lastmanagement, Flexibilitätsaktivierung und zunehmend automatisierten, digitalisierten Netzbetrieb. Ohne ein gesetzlich definiertes, standardisiertes und sicheres Messsystem könnten viele digitale Energieanwendungen nicht zuverlässig oder in großem Maßstab umgesetzt werden.
Bis Anfang 2026 werden voraussichtlich etwa 20 Prozent der Messstellen im Rahmen des Pflicht-Rollouts mit Smart Metern ausgestattet sein. Dabei haben insbesondere kleinere Messstellenbetreiber teilweise Verzögerungen erlebt. Der Schwerpunkt verschiebt sich daher zunehmend von der reinen Installation hin zur aktiven Nutzung der verfügbaren Messdaten. Energieversorger und digitale Energiedienstleister nutzen diese Daten und Prognosen, um ihre Bilanzkreise und Portfolios effizient zu steuern sowie dynamische Tarifmodelle, Flexibilitätsprodukte und Energiemanagement-Lösungen zu entwickeln.
Ab 2028 ist mit einer deutlich höheren Abdeckung (ca. 50 Prozent) zu rechnen, wodurch Messdaten einen noch größeren Beitrag zu einem datengetriebenen, koordinierteren Betrieb des Energiesystems leisten können. Gleichzeitig steigende Elektrifizierung und die zunehmende Anzahl dezentraler Erzeugungs- und Speicheranlagen machen die Nutzung dieser Daten für sichere, flexible und effiziente Netz- und Marktprozesse immer wichtiger.
Expert:innen-Tipps und Zukunftsaussichten zum Messstellenbetriebsgesetz (MsbG)
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Mit dem Fortschreiten des Smart-Meter-Rollouts wird die größte Herausforderung der Übergang von der Installation der Infrastruktur hin zur effektiven Nutzung von Messdaten sein. Bisher wurde das Tempo des Rollouts vor allem durch die Kapazitäten der Messstellenbetreiber, also Personal und organisatorische Prozesse, bestimmt. Der zukünftige Erfolg wird davon abhängen, wie gut Messdaten in operative und Marktprozesse integriert werden können. gridX Energy Market Expert Irene Guerra Gil sagt dazu:
„Der eigentliche Mehrwert von Smart Metern zeigt sich nicht während der Rollout-Phase, sondern wenn Messdaten systematisch in operative und Marktprozesse eingebunden werden. Das MsbG schafft die Grundlage für einen sicheren und interoperablen Datenfluss, der für Flexibilitätsmärkte, dezentrale Energieanlagen und ein vollständig digitales Energiesystem entscheidend ist.“
Mit der zunehmenden Skalierung des Rollouts fungieren Smart Meter immer stärker als sichere Daten-Gateways, die Flexibilität, dezentrales Anlagen-Management und einen dynamischeren Netzbetrieb ermöglichen. Die Herausforderung liegt dabei weniger in der Hardware, sondern darin, Messdaten effizient und sicher über Plattformen und operative Systeme hinweg zu integrieren.
Für die Zukunft werden regulatorische Anpassungen im Bereich Datenzugang und Flexibilitätsmärkte erwartet. Das MsbG bleibt jedoch weiterhin die Grundlage für den digitalen, datengetriebenen Betrieb des Energiesystems und unterstützt Automatisierung, Marktinnovationen und skalierbares Energiemanagement.